| Das rheinische SF-Okular | July 2000 | Print Edition gedruckte Ausgabe |
Der Sex der Zukunft?
vorgestellt von Michael Falkenstein
Am 29. Juni 2000 begann in Berlin ein Kongress, zu dem der renommierte Sexualwissenschaftler Prof. Erwin Haeberle "Die Sexforschung steht erst am Anfang!" 300 Experten aus aller Welt eingeladen hat. Sie sollten über die neuesten Erkenntnisse der Sexforschung berichten.
Laut Prof. Haeberle gibt es kein sexuelles Ideal, das für alle Menschen gilt. Solange niemand dabei zu Schaden kommt solle jeder nach seiner Fasson glücklich werden. Doch während heutzutage die Varianten noch überschaubar sind, kann/soll es in Zukunft anders werden.
"Sex und Fortpflanzung werden noch mehr als heute erkennbar voneinander getrennt. Auf unserem Kongress wird die Sexforscherin Prof. Judith Mackay von der WHO in Hongkong sprechen. Sie hat sich mit der Zukunft des Sex beschäftigt." (Siehe folgende Tabelle)
2000 - 2010:
Gesundheit & Medizin:
Klonen macht Sex zur Fortpflanzung überflüssig.
Sexualpraktiken:
Die gesundheitlichen Vorteile von sexueller Enthaltsamkeit,
Cybersex und Selbstbefriedigung werden von Lehrern und
Gesundheitbehörden promotet.
Auf dem Mond könne Menschen wegen der langsamen Bewegungen
ihren Sex viel intensiver genießen.
Cybersex:
Cybersex ist eine schnell wachsende Computerindustrie.
Der menschliche Körper wird immer mehr gepierct oder mit
Spezial-Tattoos behandelt - sie dienen als "Andockstellen"
für die Messfühler der Cybersex-Computer.
2011 - 2020:
Gesundheit & Medizin:
"Babys nach Maß" (z.B. Geschlecht, Haarfarbe, Intelligenz
vor der Geburt bestimmt) werden immer häufiger.
Völlig neue Verhütungsmittel (z.B. Impfung gegen
Schwangerschaft) sind erfunden.
Querschnittgelähmte können dank neuer Therapien erfüllten
Sex erleben.
Sexualpraktiken:
Konservative Kreise bekämpfen die zunehmende sexuelle
Freizügigkeit.
Ein "Orgasmus-Chip" kann direkt ins Gehirn gepflanzt werden
- ohne Sex ist jederzeit durch äußere Stimmulierung des
Chips ein Super-Orgasmus möglich.
Cybersex:
Ein Drittel aller Bekanntschaften kommt durch das Internet
zustande.
Fast die gesamte Sexualerziehung und Beratung ist online.
Terroristen versuchen, über die persönlichen Sex-Datenbanken Politiker oder Wirtschaftsbosse zu erpressen.
2021 - 2030:
Gesundheit & Medizin:
Klonen wird von Ärzten zur Behandlung der Unfruchtbarkeit
(z.B. bei Verlust von Hoden oder Eierstöcken) angeboten.
Eine neue Sexseuche, ähnlich wie heute Aids, tötet weltweit
Millionen Menschen.
Sexualpraktiken:
Durch die Genforschung und das Klonen können völlig neue,
bisher unbekannte Sexualorgane entwickelt werden - ihr
einziger Zweck: einen Orgasmus zu bekommen.
Cybersex:
"Künstlicher Computersex" wird möglich.
In demselben Maße, wie der Cybersex zunimmt, nehmen die
Eheschließungen ab.
Cybersex wird einer der häufigsten Scheidungsgründe.
2031 - 2040:
Gesundheit & Medizin:
Wirksame Medikamente gegen die "neue Aids-Seuche" sind
entwickelt.
Hoden und Eierstöcke können verpflanzt werden.
Sexualpraktiken:
Der "künstliche Penis" wird erfunden.
Über einen Chip können sich die Menschen alle möglichen
Orgasmusformen oder Sexphantasien direkt in ihr Gehirn
runterladen.
Cybersex:
Computerviren legen viele Cybersex-Computer lahm.
2041 - 2050:
Gesundheit & Medizin:
Die Geschlechtsreife setzt ein Jahr früher als im Jahr 2000
ein - bei Jungen und Mädchen.
Sexualpraktiken:
Sex ist jetzt fast ausschließlich für den Orgasmus und kaum
noch für die Fortpflanzung da.
Die Weltbevölkerung ist auf neun Milliarden angestiegen.
Cybersex:
Ein "Weltinstitut für Menschlichen Sex" wird gegründet.
Ziel des Instituts: Die Menschen sollen wieder lernen, wie
schön natürlicher Sex und Intimität sind!
[Anmerkung: Diese Prognosen gelten natürlich nur für die reichen Nationen! Wo sollten sonst die neun Milliarden herkommen?!
Wenn so etwas wirklich auf einem seriösen Kongress behandelt wird, dann frage ich mich, ob die Beamten im Ministerium für Forschung und Technologie unter dem Schreibtisch auch die "Future History" von Heinlein oder die von Larry Niven lesen. M.F.]